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Deutschland im Ländervergleich: welche Nährstoffe fehlen Frauen?

Wie Frauen in Deutschland bei Eisen, Jod, Folat und Vitamin D im Vergleich zu Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Italien, Polen, Japan und den USA dastehen und welche Rolle Jodsalz, Sonne und Essgewohnheiten spielen.

Veröffentlicht 2026-11-017 Min. Lesezeit

In diesem Artikel

  • Nach WHO-Schätzung für 2023 hatten 14,0 % der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren in Deutschland eine Anämie, weniger als in Österreich (16,7 %) und der Schweiz (16,6 %), etwas mehr als in Großbritannien (13,6 %) und Frankreich (13,1 %)
  • Bei Jod fällt Deutschland auf: Nur 9 % des Salzes in verarbeiteten Lebensmitteln ist jodiert, in der Schweiz sind es 34 %
  • Nationale Erhebungen sind unterschiedlich aufgebaut und taugen nicht für eine Rangliste, zeigen aber, wo die Lücken in jedem Land liegen

Beim Eisen steht Deutschland im europäischen Vergleich recht gut da: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatten 2023 14,0 % der Frauen zwischen 15 und 49 Jahren eine Anämie, in Österreich waren es 16,7 %, in der Schweiz 16,6 %, in Polen 23,4 % und weltweit 30,7 % [1,2]. Auffälliger ist Deutschland beim Jod. In einem Vergleich europäischer Ernährungsstudien hatten Frauen in Deutschland mit 105 µg am Tag die niedrigste mittlere Jodzufuhr, und 52 % lagen unter dem durchschnittlichen Bedarf [3]. Auch Vitamin D ist hierzulande ein Thema, weil die Sonne von Oktober bis März zu schwach ist [4]. Ein echter Vergleich der Länder ist schwierig, weil jede Erhebung anders misst. Wer unter starken Blutungen oder anhaltender Müdigkeit leidet oder eine Schwangerschaft plant, sollte das mit der Hausärztin oder in der frauenärztlichen Praxis besprechen.


Warum sich Länderzahlen nur begrenzt vergleichen lassen

Nationale Ernährungsstudien unterscheiden sich in fast allem: Manche fragen ab, was am Vortag gegessen wurde, andere messen Blutwerte. Die Altersgruppen sind verschieden, ebenso die Jahre. Die deutschen Blutwerte aus der DEGS1-Studie stammen aus 2008 bis 2011 [5], die britischen aus 2016 bis 2019 [6], die japanischen Verzehrsdaten aus 2024 [7]. Dazu kommen unterschiedliche Referenzwerte. Frauen mit Periode sollen laut DGE 16 mg Eisen am Tag aufnehmen [8], in Japan liegt die Empfehlung bei 10,0 bis 10,5 mg [9], in Italien bei 18 mg [10]. Je nachdem, womit man vergleicht, sieht die Versorgung besser oder schlechter aus.

Ein gemeinsamer Maßstab ist die Anämie-Schätzung der WHO für Frauen von 15 bis 49 Jahren. Sie verwendet in allen Ländern dieselben Grenzwerte: Hämoglobin unter 120 g/l, in der Schwangerschaft unter 110 g/l [1].


Anämie bei Frauen: Deutschland und seine Nachbarn

LandAnämie bei Frauen 15–49 Jahre (WHO-Schätzung 2023)
Polen23,4 %
Japan18,7 %
Österreich16,7 %
Schweiz16,6 %
Niederlande16,5 %
Italien16,4 %
USA15,0 %
Deutschland14,0 %
Großbritannien13,6 %
Frankreich13,1 %
Welt30,7 %

(Daten: WHO Global Health Observatory, über die Weltbank-Datenbank, Indikator SH.ANM.ALLW.ZS [1,2])

Deutschland liegt im unteren Bereich, nahe bei Großbritannien und Frankreich. Die deutschsprachigen Nachbarn Österreich und die Schweiz liegen knapp drei Prozentpunkte darüber. Es handelt sich allerdings um Modellrechnungen, die Lücken statistisch auffüllen, wo aktuelle Messungen fehlen [1]. Unterschiede von ein bis zwei Prozentpunkten sollte man nicht überbewerten.


Was die Erhebungen in den einzelnen Ländern zeigen

LandAuffällige NährstoffeErgebnis
DeutschlandEisen, Jod, Vitamin DMittlere Eisenzufuhr 9,6 mg/Tag (NVS II) [8]; 52 % der Frauen unter dem durchschnittlichen Jodbedarf [3]; rund 56 % der Frauen von 18 bis 44 Jahren mit Vitamin D unter 50 nmol/l [5]
GroßbritannienEisen, Folat, Jod25 % der Frauen von 19 bis 64 Jahren mit sehr niedriger Eisenzufuhr; 89 % der Frauen von 16 bis 49 Jahren mit Folat in den roten Blutkörperchen unter dem Schwellenwert für ein erhöhtes Neuralrohrdefekt-Risiko [6]
SchweizJodJodversorgung von Schwangeren unzureichend und seit 2014 schlechter geworden [11]
ItalienEisen, Calcium, Vitamin D95 % der Frauen von 18 bis 64 Jahren unter der italienischen Eisenempfehlung von 18 mg; bis zu 84 % unter dem Calcium-Referenzwert [10]
PolenCalcium45 % der Frauen von 18 bis 60 Jahren unter der unteren Calcium-Referenzschwelle, mittlere Zufuhr 512 mg/Tag [3]
JapanEisen, CalciumFrauen von 20 bis 39 Jahren nehmen im Mittel 6,3 mg Eisen auf; Frauen von 20 bis 29 Jahren 389 mg Calcium [7]
USAEisen17 % der Mädchen und jungen Frauen von 12 bis 21 Jahren mit Eisenmangel (Ferritin unter 15 µg/l) [12]
Österreich, Frankreich, Niederlandehier nicht ausgewertetnur WHO-Schätzung verwendet

(Erhebungen aus unterschiedlichen Jahren, mit unterschiedlichen Altersgruppen und Methoden)


Was in Deutschland anders ist

Jodsalz ist da, wird aber wenig genutzt

Jodsalz enthält in Deutschland 15 bis 25 mg Jod pro Kilogramm [13]. In der Lebensmittelherstellung wird es aber wenig verwendet: Laut BfR wurden 2019 nur etwa 30 % der handwerklich und industriell hergestellten Lebensmittel mit Jodsalz produziert, bei industriell hergestelltem Brot und Backwaren rund 10 % [13]. Die WHO nennt für Deutschland einen Anteil von nur 9 % jodiertem Salz in verarbeiteten Lebensmitteln, für die Schweiz 34 % [14].

Die Schweiz setzt stärker auf Brot. Dort enthält Jodsalz 25 mg Jod pro Kilogramm, und 86 % der Bäckereien verwenden es, sodass Brot zur wichtigsten Jodquelle geworden ist [11]. Trotzdem erreichen auch dort Schwangere ohne jodhaltiges Präparat die empfohlenen Werte nicht [11]. Brot vom Bäcker ist in Deutschland ebenso Alltag; ob Jodsalz drin ist, kann man dort erfragen [13].

Hinzu kommt ein Trend, den die WHO für ganz Europa beschreibt: Wer Kuhmilch durch Hafer- oder Sojadrink ersetzt, verliert eine wichtige Jodquelle, denn die meisten Milchalternativen enthalten kein Jod [14].

Keine Pflicht-Folsäure im Mehl

In den USA wird Getreide seit 1998 verpflichtend mit Folsäure angereichert, Kanada, Chile und einige weitere Länder tun das ebenfalls [15]. In den USA ist die Zahl der Neuralrohrdefekte seitdem um 28 % gesunken [15]. In Deutschland gibt es keine solche Pflicht. Das BfR hat eine verpflichtende Mehlanreicherung 2005 als wirksame Möglichkeit beschrieben, über die die Politik entscheiden müsste [16]. Für Frauen, die schwanger werden könnten, bleibt deshalb das Präparat mit 400 µg Folsäure der wichtigste Baustein [17]. Auch in Großbritannien zeigen die Blutwerte bei 89 % der Frauen im gebärfähigen Alter einen Folatspiegel unter dem Schwellenwert für ein erhöhtes Neuralrohrdefekt-Risiko [6].

Der Breitengrad und Vitamin D

Deutschland liegt so weit nördlich, dass die Sonne von Oktober bis März für eine ausreichende Vitamin-D-Bildung nicht reicht und der Körper auf seine Speicher zurückgreift [4]. In der DEGS1-Studie waren die Werte der Frauen im Februar und März am niedrigsten und von Juni bis September am höchsten [5]. Mit der Nahrung kommen in Deutschland nur etwa 2 bis 4 µg Vitamin D am Tag dazu, vor allem aus fettem Seefisch wie Hering, Lachs und Makrele [4]. Italien liegt weiter südlich, trotzdem erreichten dort praktisch alle Erwachsenen den Referenzwert für Vitamin D über die Nahrung nicht [10]. Die Ernährung allein deckt den Bedarf also fast nirgends.

Milchprodukte und Calcium

Polnische Frauen nahmen in dem europäischen Vergleich im Mittel nur 512 mg Calcium am Tag auf [3]. In Japan sind es bei Frauen von 20 bis 29 Jahren 389 mg [7]. In Deutschland essen laut Ernährungsreport 2025 69 % der Frauen täglich Milchprodukte wie Joghurt oder Käse [18], und Milch und Milchprodukte sind hier die wichtigste Calciumquelle [19].


Was das für Sie bedeutet

Der Ländervergleich zeigt vor allem, dass Rahmenbedingungen eine Rolle spielen: wie viel Jodsalz in Brot und Fertigprodukten steckt, ob Mehl mit Folsäure angereichert wird, wie viel Sonne es im Winter gibt. Für die einzelne Frau sagen die Durchschnittswerte aber wenig aus. Bei starker Regelblutung, anhaltender Erschöpfung, Kinderwunsch oder einer Schilddrüsenerkrankung ist die Hausarztpraxis oder die Frauenärztin der richtige Ansprechpartner. Mehr zur Lage in Deutschland lesen Sie unter Nährstoffmangel bei Frauen in Deutschland: was fehlt?.


Häufige Fragen

Q1. Sind Frauen in Deutschland besser mit Eisen versorgt als in Österreich oder der Schweiz?

Nach der WHO-Schätzung ist die Anämie in Deutschland etwas seltener (14,0 % gegenüber 16,7 % und 16,6 %) [2]. Das sind aber Modellrechnungen, und kleine Unterschiede sind nicht aussagekräftig [1]. Die mittlere Eisenzufuhr deutscher Frauen liegt mit 9,6 mg trotzdem deutlich unter der DGE-Empfehlung von 16 mg [8].

Q2. Warum ist Jod in Deutschland ein größeres Thema als in der Schweiz?

Weil in Deutschland deutlich weniger verarbeitete Lebensmittel mit Jodsalz hergestellt werden, laut WHO 9 % gegenüber 34 % in der Schweiz [14]. In der Schweiz verwenden zudem 86 % der Bäckereien Jodsalz [11].

Q3. Brauche ich Folsäure, obwohl andere Länder Mehl anreichern?

Ja, wenn Sie schwanger werden könnten. In Deutschland wird Mehl nicht verpflichtend angereichert [16], und auch in Ländern mit Anreicherung wird Frauen ein Präparat mit 400 µg empfohlen [15]. Beginnen sollte man mindestens vier Wochen vor der Empfängnis [17].

Q4. Ich ziehe ins Ausland. Worauf sollte ich achten?

Die Empfehlungen und Gewohnheiten unterscheiden sich von Land zu Land, etwa beim Jodsalz oder bei angereicherten Lebensmitteln. Sprechen Sie vor Ort mit Ihrer Ärztin, besonders wenn Sie schwanger sind oder werden möchten.


Quellen

Quellen (19)
  1. World Health Organization. Global Health Observatory: Anaemia in women of reproductive age (aged 15-49), prevalence (%). https://www.who.int/data/gho/data/indicators/indicator-details/GHO/prevalence-of-anaemia-in-women-of-reproductive-age-(-)
  2. Our World in Data. Share of women of reproductive age who have anemia, 2023 (Daten: WHO Global Health Observatory über die Weltbank, Indikator SH.ANM.ALLW.ZS). https://ourworldindata.org/grapher/prevalence-of-anemia-in-women-of-reproductive-age-aged-15-29
  3. Mensink GBM, Fletcher R, Gurinovic M, et al. Mapping low intake of micronutrients across Europe. British Journal of Nutrition 2013;110(4):755-773. https://www.cambridge.org/core/journals/british-journal-of-nutrition/article/mapping-low-intake-of-micronutrients-across-europe/3030D01830361125149A3BD9514F5A61
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). FAQ Vitamin D. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/vitamin-d/
  5. Rabenberg M, Scheidt-Nave C, Busch MA, Rieckmann N, Hintzpeter B, Mensink GBM. Vitamin D status among adults in Germany – results from the German Health Interview and Examination Survey for Adults (DEGS1). BMC Public Health 2015;15:641. https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/track/pdf/10.1186/s12889-015-2016-7
  6. GOV.UK. National Diet and Nutrition Survey (NDNS): results from years 9 to 11 (2016 to 2017 and 2018 to 2019), combined statistical summary. https://www.gov.uk/government/statistics/ndns-results-from-years-9-to-11-2016-to-2017-and-2018-to-2019/ndns-results-from-years-9-to-11-combined-statistical-summary
  7. Japanisches Gesundheitsministerium (MHLW). Nationale Gesundheits- und Ernährungserhebung 2024 (令和6年国民健康・栄養調査報告), Ergebnisse zur Nährstoffzufuhr. https://www.mhlw.go.jp/content/001675212.pdf
  8. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). FAQ Eisen. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/eisen/
  9. Japan Health and Longevity Network (健康長寿ネット). Eisen: Empfehlungen nach den Dietary Reference Intakes for Japanese 2025. https://www.tyojyu.or.jp/net/kenkou-tyoju/eiyouso/mineral-tetsu.html
  10. Le Donne C, Ferrari M, Mistura L, et al. The National Food Consumption Survey IV SCAI: Nutrient Intakes and Related Dietary Sources in Italy. Nutrients 2026;18(1):88. https://www.mdpi.com/2072-6643/18/1/88
  11. Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Jodiertes Salz. https://www.blv.admin.ch/de/jodiertes-salz
  12. Weyand AC, Chaitoff A, Freed GL, et al. Prevalence of Iron Deficiency and Iron-Deficiency Anemia in US Females Aged 12-21 Years, 2003-2020. JAMA 2023;329(24):2191-2193. https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2806540
  13. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Jodversorgung in Deutschland wieder rückläufig – Tipps für eine gute Jodversorgung. FAQ vom 20.02.2020, aktualisiert 09.02.2021. https://www.bfr.bund.de/cm/343/jodversorgung-in-deutschland-wieder-ruecklaeufig-tipps-fuer-eine-gute-jodversorgung.pdf
  14. WHO-Regionalbüro für Europa. People in the WHO European Region at greater risk of iodine deficiency due to changing diets. 28.06.2024. https://www.who.int/europe/news/item/28-06-2024-people-in-the-who-european-region-at-greater-risk-of-iodine-deficiency-due-to-changing-diets
  15. NIH Office of Dietary Supplements. Folate: Fact Sheet for Health Professionals. https://ods.od.nih.gov/factsheets/Folate-HealthProfessional/
  16. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Folsäureversorgung in Deutschland ist unzureichend. Presseinformation 30/2005 vom 27.09.2005. https://www.bfr.bund.de/presseinformation/folsaeureversorgung-in-deutschland-ist-unzureichend/
  17. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Fragen und Antworten zu Folat und Folsäure. https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/fragen-und-antworten-zu-folat-und-folsaeure/
  18. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Deutschland, wie es isst. Der BMLEH-Ernährungsreport 2025. https://www.publikationen-bundesregierung.de/pp-en/search-for-publications/ernaehrungsreport-2025-2396206
  19. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Referenzwerte Calcium. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/calcium/

Dieser Artikel dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.

Dieser Artikel enthält allgemeine Informationen und ersetzt keine Beratung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft.

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